Liebes Brautpaar,

liebe Familien und Freunde von Sabine und Rainer.

Zunächst möchte ich euch alle hier zur freien Trauzeremonie von Sabine und Rainer in der wundervollen Parkvilla herzlich begrüßen.

Um alle Verwandten und Freunde an ihrer Liebe zueinander teilhaben zu lassen, hat es unser Brautpaar sich nicht nehmen lassen heute nun diese freie Trauung mit euch allen gemeinsam zu feiern.

Um mich ganz kurz selber vorzustellen: Mein Name ist Mike und ich habe heute die große Ehre, diese Beiden hier noch ein kleines Stück näher zusammenzubringen, als das ja ohnehin schon der Fall ist.


Als mich Sabine und Rainer gefragt haben, ob ich Ihre freie Trauung vollziehen möchte, habe ich ohne zu zögern zugesagt, zeugt es doch von einer tiefen Freundschaft und großem Vertrauen ineinander.

Natürlich habe ich mich auch perfekt auf diesen Augenblick vorbereitet, in dem ich eine ganze Reihe kompromittierender Details endlich ans Tageslicht befördern kann.

Nein, das werde ich nicht tun.

Und ich hoffe, dass keiner von euch beiden ernsthaft geglaubt hat, dass ich zu so etwas in der Lage wäre. Ihr seid einfach zwei wundervolle Menschen und das kann man euch gar nicht oft genug sagen. Und nur darum wird es in den kommenden Minuten gehen. Versprochen.

Vor etwas mehr als 12 Jahren standest du, Sabine, mit deiner Tochter Jil, die damals gerade mal 7 Jahre alt war, vor eurem Haus in Kirchdorf und überlegtet gemeinsam, ob Ihr es – nach vielen Enttäuschungen – noch ein einziges mal probieren wollt, Eure kleine Familie für einen Mann zu öffnen. Und nur mit Jils Zustimmung hast du, Sabine, dich dann beim Internet-Portal „Neu.de“ angemeldet.

Etwa zur gleichen Zeit, etwa 80km entfernt saßt du, Rainer, gebeutelt von langen Dienstreisen an deinem PC und dachtest ebenfalls über einen neuen Weg nach eine Partnerin zu finden. Denn auch du hattest einige bittere Enttäuschungen hinter dir.

Auch den Mausklick endete ohne große Erwartungen bei „Neu.de“, wo nach nur wenigen Wochen die erste Nachricht von Sabine – aus Minden – in deinem Postfach eintraf.

Ja wie klischeehaft ist das denn bitte? Und wie kitschig? Die große Liebe, die sich heute hier und jetzt das Jawort geben will, hat auf einer Single-Börse im Internet begonnen? Da hätte ja selbst der RTL-SMS-Single-Chat eine originellere Geschichte hergegeben.

Aber das zu behaupten wäre weit gefehlt! Denn es brauchte schon ein wenig Glück und besondere Umstände um diese beiden zusammenzubringen.

Rainer hatte seinerseits alle Frauen über 40 ausgeschlossen, denn die Frauen über 40, die ihn angeschrieben hatten waren alle gerade geschieden und redeten ständig vom Ex. Nein, vom Regen in die Traufe wollte er auf keinen Fall kommen!

Und Sabine, die auf keinen Fall den Eindruck erwecken wollte, mit Lockenwicklern und Hausfrauenkittel am PC zu sitzen hatte sich zu diesem Zweck auf 37 „verjüngt“.

Sabine ihrerseits wollte gerne jemanden mit langen Haaren, die Rainer zumindest damals noch vorweisen konnte.

Ihr habt euch in ellenlangen Chats und Emails beschnuppert. Im Anhang einer Email schickte Sabine auch das erste Bild von Jil, in du, Rainer, dich daraufhin gleich mitverliebt hattest.

Es wurden Telefonnummern getauscht und SMS geschrieben.

Für die jüngeren unter Euch: SMS war früher wie WhatsApp……nur ohne Ton, Bilder und Farbe. Aber das nur am Rande.

Ihr beiden freutet euch auf die fast allabendlichen endlosen Telefongespräche.

Bei einem dieser Gespräche gestand Sabine, dass sie gar nicht in Minden wohne – sondern vielmehr in Rahden – welches ungefähr 30km weiter liegt, und um sich und Jil nicht der Gefahr eines Verrückten auszusetzen zu müssen habe sie Sie den wirklichen Ort verschwiegen. – Wobei dass mit dem Verrückten…und dann Rainer…aber das ist eine andere Geschichte.

Am 2. Weihnachtstag 2007 sollte es dann zum ersten Treffen kommen. Es sollte der Christmas-Ball, ein Konzert in Hannover werden.

Ich hole dich ab!“ sagte Rainer, und Sabine verlegte nochmals den Wohnort in die 30km weiter gelegen Metropole „Kirchdorf“..

Wer hat es noch nicht in einem Atemzug gehört: Singapur…New York….Kapstadt…Kuala Lumpur…Kirchdorf.

Aber auch diese Odyssee durch die unendlichen Weiten Deutschlands schreckte Rainer nicht ab und ihr beide verbrachtet euren ersten tollen Abend.

Doch etwas stand noch zwischen Ihnen – Ihr erinnert euch „Keine Frau über 40!“ Sabine 37!

Also fasste Sabine auf dem zweiten Treffen in der Kneipe „Amtsschimmel“all ihren Mut zusammen und sagte: „Da steht noch was zwischen uns…“, legte ihren Personalausweis auf den Tisch und verschwand in Richtung „Toilette“ wo sie schwitzte, heulte und am ganzen Körper zitterte – fest im Glauben – „so das war‘s – gleich ist er weg“. Denn da war ja noch diese klitzekleine Notlüge, die alles hätte zum Kippen bringen können und Rainer hatte ja von seinen Ü-40 Erfahrungen erzählt.

So war sie glücklich, als sie zurückkehrte und Rainer immer noch da saß, sie ansah und die liebevollen charmanten und romantischen Worte sprach: „ Und? Wir haben doch alle ein dämliches Foto im Ausweis!“

Wieso Foto? Mann! Schau mal aufs Datum!“

Nach einem Blick aufs Geburtsdatum, ein wenig Rechnen und langem Verarbeiten der Information war dann klar: Sabine ist jenseits der 40 und zudem noch 5 Jahre älter als Rainer.

Er schob ihr den Ausweis dann freundlich zurück und sagte wiederum liebevoll, charmant und romantisch: „ Das ist mir scheißegal…“

Ab da war dann ja eigentlich alles klar!

Wer jetzt denkt, „die hat ihm ja ganz schön was in die Tasche gelogen“ der irrt. Ich würde eher sagen: „Instinktiv alles richtig gemacht.“ und ich weiß, dass Rainer es auch sehr schnell erfasst hat und als Programmierer sofort die Logik analysiert hat.

Sabine hat Rainer aber auch sehr früh vor dem ersten Treffen schon die Wahrheit über Ihre bevorstehende recht schwierige Hüft- OP gesagt. Beide wussten, dass das auch schief gehen könne und trotzdem war auch dieses kein Hinderungsgrund zusammenzufinden.

Gerade mal ein halbes Jahr zusammen, habt ihr diese wirklich schwere Zeit dann durchgestanden, wieder gelernt, sich auf jemanden absolut und bedingungslos verlassen zu können und eure schon so feste Liebe noch einmal gefestigt. Und heute fast 12 Jahre später sitzt ihr nun hier um das für euch und vor euren Familien und Freunden zu bezeugen.

Nur für Euch spielen jetzt Sven und Jens ein Gitarren Duo von Peter Horten. „Toccata for a wild old lady“. Das mit der wild old Lady passt an dieser Stelle recht gut…


Sven &Jens spielen „Toccata for a wild old lady“ begleitet von Roland und Cornelius


Sabine und Rainer, Ihr habt euch heute hierher begeben, da Ihr euch das Eheversprechen geben wollt. Ihr seid euch absolut und ohne Zweifel sicher, dass euch nichts mehr trennen wird, dass Ihr euch grenzenlos vertraut und ihr zusammen alt werden möchtet.

Das haben euch die gemeinsamen fast 12 Jahre mit vielen Höhen und Tiefen gezeigt.

Sabine, ohne die Zustimmung deiner Tochter Jil, wäre eure Liebe nicht möglich geworden.

Das es aber so werden würde, ist schon ein großer Glücksfall.

Rainer ist für Jil eine Art Vaterfigur, ein dufter Kumpel und guter Freund geworden. Sie waren teilweise unzertrennlich wie Pech und Schwefel und machten selbst im Teletubbie-Kostümen noch eine gute Figur.

Ihr könnt stolz auf euch sein, eine so liebenswerte, kluge und mitfühlende Tochter großgezogen zu haben. Ihr habt Jil so viel Liebe, Vertrauen und Respekt mit ins Leben gegeben, dass jeder Mensch, der sie kennenlernt, davon ebenfalls profitiert. Denn sie bringt Liebe, Vertrauen und Respekt in die Welt. Ich denke, ihr habt alles richtig gemacht.

Obwohl ihr zwischenzeitlich fast 14 Monate 400km voneinander getrennt gelebt habt, konnte das Eurer Liebe nicht mindern. Im Gegenteil – die gemeinsamen Wochenenden in Leipzig zu dieser Zeit haben Euch beide aufblühen lassen.

Genau wie euer jährlicher Besuch beim Wave Gotik Treffen, dort unter den schwarzen Seelen, wo Ihr euch so wohl fühlt und wo Ihr sein könnt, wie ihr wollt und wie ihr wirklich seid – nämlich so wie auch ich euch schätzen gelernt habe.

Ihr ergänzt euch in den kleinen Dingen des Alltag:

Sabine plant, Rainer baut

Sabine dekoriert und Rainer repariert.

Rainer optimiert Sabines Laptop, Handy und sonstige technisches Zeugs

Sabine sorgt dafür, dass alle Dokumente, Verträge, Bankgeschäfte und anderes Papiergedöns nicht mehr auf Rainers riesigem Ablagestapel landen sondern fein säuberlich in die richtigen Ordner kommen.

Und Rainer hat mir ganz im Vertrauen gesagt: „Wenn Sabine nicht so akribisch geplant und manchmal auch ein wenig gedrängelt hätte, würden wir hier heute wahrscheinlich nur bei Wasser und Brot sitzen.“

Denn die wunderschönen Einladungskarten und alles was ihr hier an Dekoration und liebevollen Arrangements seht, ist aus Sabines Phantasie und ihren geschickten eigenen Händen entstanden.

Sabine und Rainer, viele von den hier Anwesenden haben euren Weg begleitet. Aber wer hätte gedacht, dass Ihr jemals wirklich heiraten würdet. Zusammen leben, ja – das tut ihr ja schon seit einiger Zeit. Aber eine Heirat? Das tiefe, ehrliche Gefühl, den Rest seines Lebens miteinander verbringen zu wollen – eingepackt von diesem einen Wort „Ehe“? Und dann auch noch aus reiner Liebe ohne gesetzliche Rechte, wie Steuerersparnis oder ähnlichem. Wer hätte damit gerechnet? Und was soll ich sagen: Selten hat sich eine falsche Einschätzung so gut angefühlt.

Bevor ihr euch nun gegenseitig das Eheversprechen gebt, hören wir noch einen Song, den ihr euch besonders gewünscht habt.

Rainer der jahrelang mit der Irish-Folkband „The Blarney“ unterwegs war bezeichnete die Familie Boyle einmal als seine zweite Familie. Für euch – Sabine und Rainer – singt „Die kleine Schwester“ Julie Ann nun „Black is the colour“.


Julie singt begleitet „Black is the colour“  von Jascha und Raphael


Sabine, du bist der Mensch, der in Rainers Leben gefehlt hat. Und Rainer, du bist der Mensch, der in Sabines Leben gefehlt hat.Wer euch sieht, spürt instinktiv: Ihr gehört zusammen. Ihr achtet euch, ihr achtet auf einander und ihr steht immer füreinander ein.

Mit dieser Hochzeit heute feiert ihr nicht nur eure Liebe. Ihr feiert ein Ereignis, für das ihr viele Jahre gelebt habt. Und ich bin froh und stolz, dass ich es sein darf, der euch heute das Eheversprechen abnehmen darf.

Liebe Sabine, lieber Rainer: Bitte erhebt Euch…

 

schaut Euch jetzt tief in die Augen und haltet die Hände des anderen.

 

Dies sind die Hände eures besten Freundes, stark und voller Liebe für den Anderen.

Ihr haltet sie nun, am Tag eurer Hochzeit, als Versprechen an den Anderen Euch zu lieben –Heute, morgen und für immer.

Diese Hände werden von nun an immer für Euch da sein. Euch beschützen und liebevoll umsorgen.

Sie werden für Euch da sein, in schweren Zeiten.

Sie werden Euch unterstützen und helfen, Eure Träume wahr werden zu lassen.

Sie geben Euch Kraft, wann immer ihr sie braucht.

Und selbst, wenn diese Hände alt und faltig sein werden, sind sie nach wie vor da, um Euch nur durch Berührung zu sagen: „ Ich bin für dich da…“

Der heutige Tag wird für euch immer etwas ganz Besonderes bleiben denn ihr habt euch entschieden das Eheversprechen vor euren Familien und Freunden zu geben.

Ich darf nun auch die Gäste bitten, sich von den Plätzen zu erheben.

Ich bitte die Trauzeugen die Ringe zu nehmen.

Nun frage ich dich, Rainer, willst du gemeinsam mit Sabine dein Leben teilen, immer für sie da sein, an guten aber auch an schlechten Tagen? Willst Du sie respektieren und ihr ein liebevolles zu Hause bereiten? Ihr vertrauen und ihr bedingungslos zur Seite stehen? Sie einfach weiterhin so zu lieben wie an diesem heutigen Tag.

Wenn du dem zustimmst, dann antworte bitte mit: Ja, ich will.

Rainer: „Ja, ich will!“

Nun frage ich dich,Sabine, willst du gemeinsam mit Rainer dein Leben teilen, immer für ihn da sein, an guten aber auch an schlechten Tagen? Willst Du ihn respektieren und ihm ein liebevolles zu Hause bereiten? Ihm vertrauen und ihm bedingungslos zur Seite stehen? Ihn einfach weiterhin so zu lieben wie an diesem heutigen Tag.

Wenn du dem zustimmst, dann antworte bitte mit: Ja, ich will.

Bine: „Ja, ich will!“

Nun bitte ich Euch die Ringe zu tauschen…

Ihr tragt den Ring als Zeichen der Verbundenheit, der Freundschaft und der Treue.

Euer Ring hat keinen Anfang und kein Ende.

Er ist nun zu einem Symbol für eure Liebe geworden.

Ihr dürft Mich jetzt küssen…nein ich meine „Euch“…Ihr dürft euch jetzt küssen!

Es dürfen sich nun alle wieder setzen.

Ich bitte nun zuerst das Brautpaar die Trauurkunde zu unterschreiben.

Nun die Trauzeugin Jil

Und den Trauzeugen Hans

Liebe Sabine, lieber Rainer,
Bevor ich jetzt noch rührselig werde und möglicherweise doch noch die eine oder andere kompromittierende Geschichte von euch ausplaudere:

Für eure Zukunft wünsche ich euch, dass eure gemeinsamen Wünsche in Erfüllung gehen und dass ihr glücklich und zufrieden zusammen alt werdet.
Ich wünsche euch, dass ihr eure Liebe immer im Herzen behalten werdet.

Ihr seid nun Mann und Frau.

Ich bedanke mich bei den Gästen für ihre Aufmerksamkeit und wünsche allen eine tolle Hochzeitsfeier.